Kommentare
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Paolo schrieb:
Ich vermisse die anderen vier Teile.
26/02 11:41:34
Raf schrieb:
Ich wollte einfach mal mit dem Ende beginnen. Dann stehen die auch alle schön untereinander im Blog :)
26/02 11:53:56
Paolo schrieb:
Na, dann rück mal die anderen Teile raus.
28/02 17:58:31
RexBytes schrieb:
Nett geschrieben, macht Hunger auf mehr...
14/03 00:20:35
zufälligvorbegekommen schrieb:
erinnert mich manchmal zu sehr an hst, gewisse formulierungen sind zu kopiert. nicht schlecht trotzalledem,vielleicht liess es sich auch einfach nicht verhindern.
25/03 14:56:06
typ schrieb:
wahrhaftig
02/10 11:33:17
24/02: Florida Teil 5: Abflug
Es hat keinen Zweck mehr. Wir müssen das Land verlassen. Zu viel ist passiert, schief gegangen und wir können nur hoffen das die Bürokratie, in der Homeland Security zu ersticken droht, unsere Exzesse irgenwie wird kaschieren können. Die Hoffnung - however - bleibt.Es musste auf der Flagler Street geschehen sein. Ich meine mich zu erinnern, dass ich weiter im Hintergrund den Flagler Grayhound Racetrack für einen Moment erspähte, bevor die Übelkeit meinen Blick wieder auf den Gehweg vor mir zwang. Ich meine mich an den klassischen Sound einer Stingray Corvette zu erinnern, die in diesem Moment an mir vorbeibrauste, wie meine Gedanken in diesem Moment an mir vorbeibrausten. Oder vielleicht waren es auch nur die Mikossouki Indianer, die mir mit einem Rudel NASCAR-Wagen nachjagten. Wilde Sumpfbewohner die auf meinen Skalp aus waren. Du kannst gehen, aber deine Kopfhaut bleibt hier.
Ich meine mich zu erinnern, dass mein Körper unvermittelt und ohne mein geringstes Zutun eine abrupte 270 Grad Drehung im Uhrzeigersinn vollführte. Mein Mittelohr wandte sich mit Grausen ab und … ich bin mir nicht ganz sicher … aber ich glaube, dass ich noch ein letztes Mal wie wild „VIVA FIDEL“ brüllte, bevor mein Schädel auf dem Beton des Gehwegs aufschlug. Ich drehte mich leicht auf den Rücken und konnte einen irgendwie vertrauen Schatten über mir erkennen. Der Schatten flüsterte unverständliches Zeugs und für einen Moment überkam mich ein Gefühl der Freude und Überlegenheit. Es verblasste kurz darauf wie das Ende einer Björk-Nummer.
Das war das Ende. Ende einer Dienstfahrt. Ende einer Reise ins Innere meiner ureigensten Everglades. Wo wilde Alligatoren auf fette Bewusstseinsbeute warten. Wo Myriaden Gedanken wie wie Moskitos durch die Luft flirren. Das meine Reise in mich selbst hier mitten in Florida enden würde, war abzusehen. Man hatte mich gewarnt. Auch mein letzter Rest Restverstand hatte gegen diese Reise auf das schärfste protestiert. Hatte vor internationalen Komplikationen gewarnt und davor, dass danach niemand aus meiner Sippschaft jemals wieder einen Fuß auf US-amerikanischen Boden würde setzen dürfen. Ich hatte diese Bedenken mit einer ordentlichen Dosis Mojito niedergehalten. Hatte gehofft, dass es schon nicht so schlimm werden würde. In meinem tiefsten Inneren wusste ich, dass das Augenwischerei war. Ich hatte mich auf einen Trip begeben und jetzt musste ich irgendwie mit den Konsequenzen klarkommen.
Aber zu viel war schiefgelaufen. Ich war in zu viele abartige Sachen hineingeschlittert. Der fehlgeschlagene Anschlag auf die Seven-Mile Bridge. Ein wütender Motelbesitzer auf Key-West. Am Ocean Drive in South Beach würde ich mich auch nie wieder blicken lassen können. Von der R&B Disco voller schwarzer Gangster ganz zu schweigen. Und zu allem Überfluss ein Stamm wildgewordener Indianer auf meiner Fährte. Es war ein Wunder oder – was meinem Verständnis von Religion eher zuspricht – reines Glück, nein, reiner Zufall, dass ich es überhaupt bis hierher geschafft hatte. Jetzt wäre eigentlich der geeignete Zeitpunkt zum Sterben gewesen. Einfach wegsacken. Es ist ganz einfach. Wie in ein warmes Bad zu gleiten. Alles weg. Alles. Rudolf Anton Fohnsdorfer starb auf den Schlachtfeldern der Menschlichkeit in den Beton-Tiefen von Miami. Mit Blick auf die Hunderennbahn. Niedergestreckt von einem Hirnschlag nach zwei Wochen Florida-Urlaub. Man würde sich an meine Heldentaten erinnern. Die Sieger mit Stolz und Ehrgefühl, die Besiegten mit Grausen. So wie immer in der Geschichte.
Ich erwachte, weil mir jemand ins Gesicht schlug. Das machte mich wütend. Ich holte zum Gegenschlag aus, aber der Schmerz in meiner Schulter war einfach überwältigend. Ich genoss ihn noch für einen Moment und öffnete dann die Augen.
J. stand über mir blickte mich besorgt an
„Alter, wir sind so nah dran, aus diesem Pissland rauszukommen. Versau es jetzt nicht!“
Dazu war ich gar nicht in der Lage. Ich ließ den Kopf zurückfallen und bemerkte mit geschlossenen Augen die Bewegung unter mir. Durch einen Schlitz zwischen meinen Augenliedern sah ich die Decke eines Gebäudes an mir vorbeiziehen. Dann ein grünes Schild mit einem stilisierten abhebenden weißen Flugzeug.
Ich erinnere mich nur sehr schemenhaft an meine vorerst letzte Begegnung mit den amerikanischen Sicherheitsbehörden. Der Grenzbeamte verzichtete gnädiger weise auf eine eingehendere Kontrolle meiner Ausweisdokumente. Ein Blick auf den Briefbogen, den J. ihm gereicht hatte, in Kombination mit dem kleinen aber stetigen Sabberfaden, der sich aus meinem linken Mundwinkel ergoss, genügte offensichtlich.
„Mr. Fohnsdorfer suffers from spontanious serious mental disorder, provoked by a car accident he was involved in, in 1994 in Germany. He may not be able to talk to you. In case you have reason to believe he is in a state of progressive insanity, I strongly recommend refrain from touching him unless you are a person he is familiar with.
Yours sincerely,
Dr. B. H. Forsythe
Psychatrist”
Dieses Schreiben hatte mich mehr als einmal vor direkter oder indirekter Strafverfolgung bewahrt. Der Grenzbeamte winkte, J. packte meinen Rollstuhl etwas fester und rollte mich zum Gate. In 20 Minuten startete Flug Alitalia 638 in Richtung Europa.
Eine gefühlte Ewigkeit später erwachte ich vom Dröhnen der Triebwerke.
„J?“
„Ja.“
„Sind wir raus?“
„Wir passieren gerade die Virgin-Islands.“
Das genügte. Schlaf.