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MMe. XYZ schrieb:
DAS ist fein geschrieben:
"Adrenalin- und Serotonin-durchflutet folgte schließlich der relaxte Teil. Dasitzen, nicht mal fähig den nicht unbedingt störenden aber ohne Ende feuchten Taucheranzug abzustülpen, irgendwie das Gefühl genießen, das ein abgefuckter, gnadenloser Jäger nach dem gutgezielten Schuss auf ein Rhinozoros spüren muss."
Ansonsten erinnert das Ganze leider ein wenig an einen der früher sehr ungeliebten Schulaufsätze Marke "Mein schönstes Ferienerlebnis"...
Hm.
"Adrenalin- und Serotonin-durchflutet folgte schließlich der relaxte Teil. Dasitzen, nicht mal fähig den nicht unbedingt störenden aber ohne Ende feuchten Taucheranzug abzustülpen, irgendwie das Gefühl genießen, das ein abgefuckter, gnadenloser Jäger nach dem gutgezielten Schuss auf ein Rhinozoros spüren muss."
Ansonsten erinnert das Ganze leider ein wenig an einen der früher sehr ungeliebten Schulaufsätze Marke "Mein schönstes Ferienerlebnis"...
Hm.
03/09 21:40:48
Ya Dig schrieb:
"Mein schönstes Ferienerlebnis" trifft es auf den Punkt. Übrigens scheibt man "aber leßt selbst" mit z...
06/09 18:10:41
03/09: Sea Hunter Sea
Noch ein weiterer Rookie stellt sich dem gnadenlosen Urteil... aber leßt selbst.Gestern war die See zu rau, Regen und Sturm und so, meine Haitauchtour ist deshalb gecancelt worden. War das Aufstehen um 4.30 Uhr und die zweistündige Fahrt über eine zugenebelte Passstraße hinter Somerset West erstmal völlig fürn Arsch.
Der Hai und ich und der Hai. Also heute. Insgesamt fünf Exemplare sind uns offenbar begegnet, der Größte davon hätte Spielbergs Nachbau locker als Zahnstocher benutzt.
Als mit Hilfe eines GPS-Senders die richtige Parkbucht auf dem Meer gefunden war, hat die Crew mit dem Anlocken begonnen. Jede Menge öliger Tran und ein halbgefrorener, nach allen Seiten angeritzter Fischkadaver an einer Leine, das reichte. Nach gut 20 Minuten Fahrt waren wir noch immer in Sichtweite der Küste von Kleinsbaai, aber auf dieser Wasserstraße zwischen Festland und der Dyer Island kommen die Great White Sharks im südafrikanischen Winter zu Hunderten vor. Der erste, echte Weiße Hai, den ich sah, war ein kleiner. Er nagte ein-, zweimal lustlos am Köder rum und umkreiste ansonsten unser Boot. In aller Ruhe ließ die Crew derweil den Käfig ins Wasser und sammelte die ersten der acht zahlenden Gäste ein, die tauchen wollten. Mit der an mich selbst gerichteten Ausrede, ja Fotos machen zu müssen, lehnte ich ab. Als sich genau einer erbarmte, den Anfang zu machen, noch dazu einer, der mir von allen hier am sympathischsten war, sprang ich mit auf. Zur Belohnung für diese Solidarität durfte ich dann auch gleich als erster überhaupt in den Käfig.
Der Neoprenanzug fühlte sich saubequem an, nicht mal die kleinen Gewichte, die einem umgehängt werden, konnten diese Überraschung versauen. Angezogen und bebrillt, leider gab's keinen Schnorchel, ging ich an die Reling. Dort ratterte ein älterer, weißer Südafrikaner, der sicher eine verwichste Militärvergangenheit hat, die für meine Sicherheit anscheinend essentiellen Erklärungen und Anweisungen runter. Da mir die von ihm benutzten Vokabeln für Stange und Boje fehlten, lächelte ich und stürzte mich fußvoran ins Wasser. Natürlich anders als erklärt. Was der Penner von mir wollte, begriff ich erst wirklich, als kurz darauf der Zweite (ich glaube, er war Ire oder Schotte) versuchte, im Käfig alles richtig zu machen. Doch drauf geschissen, wie sich bald herausstellte, so gefährlich sind sie ja gar nicht, die Weißen Haie.
Bei unter drei Metern Sichtweite müssen die Haie schon ordentlich nah an den Käfig kommen, damit es Spaß macht. Sie taten uns den Gefallen. Egal dann auch, ob sie nur stupide auf das zielgerichtete Köderspiel reinfielen oder selbst Interesse am Gesehenwerden haben (Haiforscher wollen inzwischen den Hang zum Imponiergehabe auch bei den großen Weißen festgestellt haben).
Kurz nach dem der "Ire oder Schotte" und ich ihn zum ersten Mal unter Wasser sahen, verschwand der erste, der kleine Hai. Lag aber natürlich nicht an uns. Weiße Haie scheinen nur nicht gern zu teilen und wohl auch zu wissen, wann der Tisch geräumt wird. Der kleine Hai flüchtete vor dem großen, der genau in dem Moment gut drei Meter von mir entfernt, etwa senkrecht zum Käfig aus dem Wasser flutschte und die Zähne über dem Köder fletschte als ich nach Längerem auftauchte, um Luft zu holen. Was sagt man dazu. Geile Sekunde. Da der Hai nur mal Vorkosten gekommen war, musste ich schnell Sauerstoff in mich und den leicht luftballonartig reagierenden Neoprenanzug pumpen und dann wieder untertauchen. Fuck, ich hätte den Bastard streicheln können, dache der John Wayne in mir, als dieser Waiße Hai langsam, im Schwimmen am Käfiggitter vorbeischlenderte.
Ab dem Zeitpunkt wurde der Käfig zum kleinen Zuhause. Die stark wellige See war wärmer als ich jemals erhofft hatte, die neuen Kleider klebten funktional und unaufringlich am Körper und die geschluckten Seasiccness-Pillen wirkten. Genau wie ich tauchte der langhaarige Kollege zu meiner Rechten begeistert und mit inzwischen verfeinerter Körperbeherrschung. Die Jungs oben gaben derweil ihr bestes, um die abwechselnd erscheinenden Haie entlang des Käfigs anständig zu beschäftigen und ein heiß zu machen.
Lustigerweise hing ausgerechnet ein Typ, der sich als professioneller Haifotograf mit Erfahrung in Australien und Neuseeland vorgestellt hatte, als einziger der acht Gäste halbkotzend über der Reling. Lustig aber auch schade, so blieb seine analoge Nikon im abgefahrenen Oldschool-Unterwassergehäuse unbenutzt.
Nach ner knappen halben Stunde hangelten sich der Zweite und ich, diesmal wesentlich geschickter, aus dem Wasser und zurück ins Boot. Der unfähige Einweisungs-Wichser war weg. Fünf verschiedene Waiße Haie seien um uns rumgeschwommen, meinte dagegen der coole, ständig zwinkernde Skipper, der mich an irgendeinen Schauspieler erinnerte.
Adrenalin- und Serotonin-durchflutet folgte schließlich der relaxte Teil. Dasitzen, nicht mal fähig den nicht unbedingt störenden aber ohne Ende feuchten Taucheranzug abzustülpen, irgendwie das Gefühl genießen, das ein abgefuckter, gnadenloser Jäger nach dem gutgezielten Schuss auf ein Rhinozoros spüren muss.
Nun hatte andere den Spaß im Käfig. Während der Langhaarige später nochmal ins Wasser stieg, lehnte ich auf das selbe Angebot diesmal ersthaft ab und versuchte lieber weiter die verspielt wirkenden Weißen Haie bei ihrer Köderjagd mit meiner Kamera abzuschießen. Nur wer fest genug zubiss oder lang genug an der Leine zerrte, durfte sich ein Stück toten Fischkadaver schmecken lassen.
Nach über drei Stunden ritt der coole Skipper unser Boot wieder gen Hafen. Mission überlebt, Hintergrundrecherche für mein noch zu tippendes Schreiben für ein südafrikanisches Reisemagazin betrieben, Handshake mit der Geschäftsführerin, Kartenaustausch und zurück in die so called Mothercity.
Die Trophäe für die modernen Sharkhunter ist am Ende natürlich kein stinkendes Stück Hai sondern eine DVD. Kurz bevor wir aus dem "White Shark Lodge" hinauskomplimentiert werden, also kurz bevor die Nachmittagsstaffel tauchwilliger Touris kommt, führt der Kameramann noch auf einem Monster-Plasma-TV sein Werk vor. Ein mit übelst billigem, unwürdigen Techno untermalter Vorort-Zusammenschnitt, unseres Trips. Viel Gegrinse, Gewinke und fünf Haie. Einer der prallen Deutschen, die zugegriffen haben, hat mir eine Raubkopie der 350 Rand, also 35 Euro teuren CD-RW zugesagt.